Zuletzt aktualisiert: 09 Februar 2020

Seit langem liegt den früheren und der jetzigen Landesregierung eine bessere Gestaltung des Überganges von Schule und Beruf bzw. Studium am Herzen. Daraus ist das Konzept „Kein Abschluss ohne Anschluss“ (KAOA) entstanden, das in Zukunft für alle Schulen verbindlich sein wird. Mit seinem Beschluss vom 10. Februar 2011 beauftragte der Ausbildungskonsens Nordrhein-Westfalen seine Fachebene, bis zu seiner Herbstsitzung 2011 ein Umsetzungskonzept zu dem im Beschluss beschriebenen Neuen Übergangssystem Schule – Beruf in NRW vorzulegen. Dieses System der Berufs- und Studienorientierung stellt ein Handlungsfeld im Landesvorhaben „Kein Abschluss ohne Anschluss (KAOA) – Übergang Schule – Beruf in NRW“ dar und greift die an den Schulen bisher durchgeführte Praxis der Berufs- und Studienorientierung auf, um sie nun als verbindlichesGesamtsystem für alle Schulen kontinuierlich weiterzuentwickeln. Im Schuljahr 2020/21 ist es bis zum Abschlussjahrgang Q2 vollständig implementiert.


2.1 Rahmenbedingungen der KAOA

Das neue Übergangssystem Schule-Beruf in NRW soll die SuS frühzeitig bei der Berufs- und Studienorientierung unterstützen, der Berufswahl und beim Eintritt in Ausbildung oder Studium. Das formulierte Ziel ist es, allen jungen Menschen nach der Schule möglichst rasch eine Anschlussperspektive für Berufsausbildung oder Studium zu eröffnen und durch ein kommunal koordiniertes Gesamtsystem unnötige Warteschleifen zu vermeiden.

An der Umsetzung des neuen Übergangssystems wirken Akteure auf Landesebene wie auf kommunaler Ebene, aus Wirtschaft und Schule mit. Die Partner im Ausbildungskonsens NRW, das sind die Landesregierung, die Bundesagentur für Arbeit, die Sozialpartner sowie die Kammern und Kommunen. Um eine Umsetzung zu erreichen, hat der Ausbildungskonsens NRW mit seinen Partnern vereinbart, einen verbindlichen Prozess der Berufs- und Studienorientierung an allen allgemeinbildenden Schulen für die SuS aller Schulformen ab der 8. Jahrgangsstufe einzuführen.

Dazu sind Standardelemente entwickelt worden, durch die der systematische Prozess beginnend ab der Jahrgangsstufe 8 bis hinein in eine Ausbildung bzw. alternative Anschlusswege definiert wird. Er umfasst Elemente zu:

prozessbegleitender Beratung (StuBo, Klassenlehrer, Eltern, Bundesagentur für Arbeit)

schulischen Strukturen (Curricula, Studien- und Berufswahlkoordinatorinnen und -koordinatoren, Berufsorientierungsbüros)

Im Folgenden werden die am CBG umgesetzten Standardelemente des Landesvorhabens KAOA vorgestellt.

 

2.2 Die wichtigsten Standardelemente

  • Die Potenzialanalyse

Eine Potenzialanalyse liefert allen SuS zu Beginn des Prozesses eine fundierte Selbst- und Fremdeinschätzung von personalen, sozialen und fachlichen Potenzialen. Ergebnisse der Potenzialanalyse werden im Hinblick auf die weitere Entwicklung der SuS individuell ausgewertet und im Portfolioinstrument (s. u.) dokumentiert. Möglichst alle Akteure der Schule sollen daran beteiligt sein. Die Einbeziehung der Eltern stellt sicher, dass sie die Möglichkeit erhalten, individuelle Lernprozesse aktiv mitzugestalten.

 

  • Das Portfolioinstrument

Ein von der Schule ausgewähltes und möglichst regional abgestimmtes Portfolioinstrument (z. B. Berufswahlpass) wird für die Berufs- und Studienorientierung aller SuS eingeführt.

 

  • Praxisphasen und ihrer Verbindung mit Unterricht

A) Die Berufsfelderkundung wird in der Regel im 8. Jahrgang angeboten. Sie findet vorrangig in Betrieben statt. Das Angebot kann, insbesondere für SuS mit besonderem Förderbedarf, mit Maßnahmen von außerschulischen Trägern (z. B. KAoA-STAR) mit eigens dafür qualifiziertem Personal ergänzt werden.

B) In der Oberstufe lernen die SuS berufliche Tätigkeiten praxisbezogen kennen und erproben ihre Fähigkeiten und Eignung vertiefend, indem sie in der Regel in einem spezifischen Berufsfeld ein Praktikum absolvieren. Dieses schulische Betriebspraktikum findet in der EF (bei Umstellung zu G9 in der Jg. 10) zumeist zweiwöchig kurz vor den Sommerferien in einem Betrieb statt, in dem die SuS lernen, sich unmittelbar mit betrieblichen oder institutionellen Arbeitsabläufen und -strukturen auseinanderzusetzen, sich einzubringen und mitzuarbeiten.

C) Die SuS der Q1 sollen bis zu 5 Praxistage absolvieren, indem sie die Möglichkeit erhalten, Ihre Praxiserfahrungen aus den BFE-Tagen und dem Praktikum (EF) zu ergänzen und zu vertiefen. Durch diese ergänzenden Erfahrungen sollen Ihre Vorstellungen mit den jeweiligen Praxisanforderungen abgeglichen werden und Ausbildungs- oder Studienentscheidungen gefestigt werden. Ziel der Praxistage ist die Gewinnung von weiteren praktischen Erfahrungen im Betrieb und/ oder im Studium und eine mögliche Konkretisierung der Berufswahl.

 

  • Koordinierte Gestaltung des Übergangs mit einer Anschlussvereinbarung

Dazu wird das Instrument der individuellen Begleitung der Jugendlichen im Sinne einer Verantwortungskette schrittweise ausgebaut. Jede(r) SuS bilanziert den individuellen Prozess der Studien- und Berufsorientierung auf der Grundlage der verbindlichen Standardelemente und formuliert eine Anschlussperspektive (bei Schuformwechsel ab Jg. 9 bzw. in allen Abschlussjahrgängen der Oberstufe). Diese individuelle Bilanz wird im Portfolioinstrument dokumentiert und dient als Grundlage für die Beratung und die Anschlussvereinbarung. Das Beratungsergebnis wird in einer standardisierten Anschlussvereinbarung dokumentiert und sind für Betriebe und Unternehmen sowie weiterführenden Bildungsinstitutionen (Berufskollges, Hochschulen, Fachhoschschulen) Bestandteil von Bewerbungsunterlagen.